Samstag, 18. Juni 2016

Rammbock Real: »Zukunftstarifvertrag« bei SB-Warenhauskonzern könnte zur Verschlechterung der Lohnstruktur im gesamten Einzelhandel führen



"Auf den ersten Blick erscheint die kürzlich öffentlich gemachte 
Einigung über Eckpunkte für einen »Zukunftstarifvertrag« bei Real wie 
ein gewerkschaftlicher Erfolg. Immerhin sollen bei der Metro-Tochter – 
die vergangenen Sommer in den Status »Ohne Tarifbindung« (OT) des 
Unternehmerverbands wechselte – wieder Tarifverträge gelten. Doch auf 
den zweiten Blick wird klar, dass die rund 38.000 Beschäftigten der 
Supermarktkette dies mit Lohneinbußen bezahlen sollen. Auf den dritten 
Blick dann bekommt die Vereinbarung eine weitere, sehr weitreichende 
Dimension: Sie könnte die Durchsetzung einer neuen, deutlich 
schlechteren Entgeltstruktur im gesamten Einzelhandel befördern. (...) 
Bei Real soll eine grundlegende Tarifreform ausgehandelt werden, die 
dann auf die Flächentarifverträge übertragen werden könnten. 
Ausgerechnet bei Real – dem Unternehmen, das als marodestes der Zunft 
gilt. Schon jetzt ist klar, dass unter diesen Bedingungen für die 
Beschäftigten nichts Positives herauskommen kann. Ihre Ziele hat die 
Unternehmensleitung in den Tarifverhandlungen der vergangenen Jahre 
mehr als einmal deutlich gemacht: Sie will vor allem die 
Kassiererinnen abgruppieren. (...) Nicht nur für die Betroffenen, auch 
für ver.di wäre eine Schlechterstellung der vergleichsweise gut 
bezahlten Kassiererinnen eine Katastrophe. Denn diese stellen in 
vielen Betrieben den Kern der gewerkschaftlich Aktiven. In 
Arbeitskämpfen spielen sie eine entscheidende Rolle. (...) Bislang 
haben die Kritiker den von Teilen der ver.di-Spitze propagierten 
Systemwechsel verhindert, von dem sie massive Nachteile befürchten (jW 
berichtete). Würde dieser nun über den Umweg Real durchgesetzt, wäre 
das auch ein Schlag gegen die innergewerkschaftliche Demokratie." 
Artikel von Herbert Wulff in junge Welt vom 14.06.2016
http://www.jungewelt.de/2016/06-14/039.php

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